"Wir wollen nach wie vor das richtig gut machen, was wir richtig gut können!"

Die Fachzeitschrift für Unternehmenssicherheit, SecurityInsight, veröffentlichte in ihrer Ausgabe 04/2019 ein Interview mit dem CEO der primion Technology GmbH:
primion Geschäftsleitung, Jorge Pons Vorberg und Andreas Kupka, im Büro

Jorge Pons Vorberg (CFO) und Andreas Kupka (CEO), primion Technology GmbH

1. Welche Auswirkungen hat die aktuelle Sicherheitslage in Europa auf die Strategie der primion?

Die Lage in Europa wird von vielen zunehmend kritisch gesehen und der Ruf nach Sicherheit wird lauter. Eine 100%ige Sicherheit aber kann es nie geben. Ausgereifte Sicherheitssysteme können aber natürlich dazu beitragen, das Risiko zu minimieren und so Menschen und Werte zu schützen.

Bei primion beobachten wir zunehmend, dass sich neben den großen Konzernen, für die umfassende Sicherheitssysteme Standard sind, auch mittelständische Unternehmen intensiver mit dem Thema Sicherheit auseinandersetzen. Das sind Firmen, die ihre Gebäude und Gelände bislang konventionell mit mechanischen Schließsystemen gesichert hatten, dies aber nicht mehr länger für ausreichend halten.

Unsere Strategie hat sich vor dem Hintergrund der verschärften Sicherheitslage insofern nicht wesentlich geändert. Wir wollen nach wie vor das richtig gut machen, was wir richtig gut können. Ich bin fest davon überzeugt, dass insbesondere im Integrations- und Sicherheitsgeschäft Dinge wie Verlässlichkeit, Qualität, Funktionalität, Support usw. wesentliche Erfolgstreiber sind, unabhängig von globalen Entwicklungen.

2. Wie reagieren Sie auf die steigende Nachfrage nach Cloud-Lösungen?

Die Anforderungen an cloudbasierte Lösungen (SaaS) sind bereits präsent und werden zunehmen. Hersteller und Errichter müssen Systeme auf den Markt bringen, die den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Effizienz schaffen.

Wir denken hier sehr langfristig und berücksichtigen alle Aspekte cloudbasierter Lösungen, die sicherheitsrelevant sein können. Dazu gehört auch, dass Zugriffe auf Anwendungen je nach Sicherheitslevel eingeschränkt werden und verschiedene Devices angesteuert werden können. Beispiel: Der User erhält Zutritt per Smartphone, aber nur der Master kann diese Rechte einsehen und ändern. Das heißt, die Anwendung wird bereits in der Hardware getrennt voneinander aufgesetzt.

Im Trend liegen vernetzte physische Sicherheitssysteme sowie integrierte Lösungen für verschiedene Gewerke wie z.B. Zutrittskontrolle mit Zeiterfassung, wie primion sie im Portfolio hat. Es wird spannend sein zu sehen, inwieweit die Branche hier im Hinblick auf Industrie 4.0 agieren wird und wo beispielsweise Zeitwirtschaftslösungen und Personaleinsatzplanung in Produktionsprozesse mit einfließen könnten.

3. Haben New Work-Modelle Einfluss auf die Entwicklung der primion-Lösungen?

New Work bedeutet zusammengefasst den Anspruch des Arbeitnehmers, seine individuellen Interessen und Lebensumstände mit seiner Arbeit in Einklang zu bringen. Seit Jahren gibt es hier ja bereits erste Ansätze im Bereich flexibler Arbeitszeiten, die durch Workflow-Szenarien und ESS (Employer Self Service) auch abgebildet werden können. 

Vereinzelt wird aber noch mehr Freiraum gefordert in dem Sinne, dass gearbeitet werden kann wann und wo der Arbeitnehmer dies will. Auch gibt es Ansätze, die nicht mehr die Anzahl der Arbeitsstunden berücksichtigen, sondern nur noch das Ergebnis. Das kann Einfluss haben auf die Entgeltabrechnungen, aber auch auf Entscheidungen hinsichtlich mobiler oder fester Arbeitsplätze.

Die Konsequenzen dieses Trends sind momentan noch nicht absehbar. Schon heute gibt es Unternehmen, in denen sich die Angestellten jeden Morgen ihren Bürotisch „suchen" müssen. Und nicht nur Start Ups teilen sich Büroflächen, beispielsweise in Unternehmen mit einem hohen Anteil an Angestellten, die nur temporär einen Arbeitsplatz benötigen. Insofern könnte New Work Einfluss haben auf den Bedarf nach Sicherheitssystemen, wenn die Anzahl der zu schützenden Umgebungen sinkt. 

Auf der anderen Seite sind dann im Bereich Zeiterfassung, Arbeitsvorbereitung, Projektplanung usw. cloudbasierte Software-Lösungen notwendig, um gewisse Prozesse abzubilden. Das kann unsere Software bereits jetzt zum Teil leisten. 

Ich sehe den Trend eher kritisch für Behörden und Institutionen, in Krankenhäusern oder der verarbeitenden Industrie. Hier wird sich dieses Modell nur schwer umsetzen lassen. Wir beobachten die Entwicklung daher aufmerksam, sehen im Moment aber keinen dringenden Handlungsbedarf.  

4. Mit welchen neuen Produkten und Features wollen Sie überzeugen?

Der Sicherheitsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren durch neue Technologien massiv verändert. Wir müssen sicherstellen, dass unser Angebot die Bedürfnisse des Marktes weiterhin erfüllt. Denn unsere Kunden suchen Lösungen, die das halten, was sie versprechen. Wenn wir die Customer-Journey unserer Kunden gut kennen und an den kritischen Schlüsselmomenten nicht nur die Erwartungen erfüllen, sondern darüber hinaus begeistern, haben wir den Erfolg sicher in der Tasche. Dabei geht es aber nicht nur allein um das Produkt, sondern in verstärktem Maße auch um den Service.

Als einer der wenigen Anbieter in der Branche begleiten wir unsere Kunden von Anfang an: Wir beraten im Vorfeld, planen die Lösung, installieren und warten die Systeme. Die Soft- und Hardware wird im eigenen Haus entwickelt und gefertigt. Das heißt, wir kennen Anforderungen und Bedenken im jeweiligen Umfeld.

Sowohl in der Hard- als auch in der Software arbeiten wir ständig an noch leistungsfähigeren Lösungen, für die neben innovativen Sicherheitsfeatures ganz klar das Thema User Experience im Vordergrund steht. Das betrifft die Terminals genauso wie unsere Steuereinheiten, CPUs, mechatronische Zylinder oder Beschläge und natürlich die Software.

5. In welchen Branchen und Märkten sehen Sie das größte Investitionspotenzial und wie kann primion hier partizipieren?

primion-Lösungen waren schon immer branchenunabhängig. Natürlich sondieren wir aber den Markt. Nach unseren Erkenntnissen gibt es großen Bedarf bei behördlichen und staatlichen Einrichtungen. Schon jetzt haben wir in diesem Bereich namhafte Referenzen, wie Ministerien oder Telekommunikationsunternehmen. Der Beratungsaufwand ist hier bereits im Anfangsstadium sehr hoch und die Entscheidungsprozesse komplex. Da bedarf es eines ausgeklügelten Projektmanagements.

Vermehrt erhalten wir Nachfragen von Unternehmen aus der kritischen Infrastruktur, wie etwa der Kernenergie oder verarbeitenden Industrie. Die Beratung im Vorfeld, die alle Risiken abwägt und in die Planung mit einbezieht, ist auch hier von entscheidender Bedeutung. Das kann nur ein Anbieter leisten, der die gesamte Klaviatur beherrscht: von der Beratung über die Herstellung und Installation bis hin zur Wartung.

Wir werden außerdem wieder deutlich stärker im Export-Geschäft investieren und unser Partnernetzwerk ausbauen. Dabei liegt der Fokus im gesamten deutschsprachigen Raum - hier werden wir uns stärker positionieren als bisher. Zudem werden wir energischer die Synergien mit unserer Konzernmutter Azkoyen nutzen, die natürlich im gesamten iberischen Raum, aber auch zum Beispiel in UK und Lateinamerika sehr stark aufgestellt sind.

6. Wo sehen Sie den Markt für Sicherheitssysteme in 5 Jahren?

Der Markt muss zunehmend Lösungen entwickeln, die auch jüngere Zielgruppen ansprechen; jene, die mit den digitalen Medien aufwachsen und Begriffe wie Design Thinking, Industrie 4.0 und eben auch standortunabhängige Cloud-Lösungen nachfragen werden. Produkte und Anwendungen müssen noch intuitiver werden und dabei gleichzeitig hochkomplexe Abläufe abbilden.

In der Zutrittskontrolle wird der Anspruch an die Sicherheit voll integrierter Lösungen weiter steigen. Neue Technologien wie NFC, RFID und Bluetooth sind schon heute im täglichen Leben präsent. In der Zeitwirtschaft werden ständige Weiterentwicklungen, neue Funktionen und moderne Konzepte den Markt bestimmen. Außerdem wird der Anspruch an mechatronische Lösungen und damit deren Relevanz weiter steigen. Über allem schwebt die Erwartungshaltung des Benutzers an eine hohe Usability bei gleichzeitig ansprechendem Design und nicht zuletzt überschaubaren Betriebskosten.

Der Sicherheitsmarkt ist definitiv ein Wachstumsmarkt. Sowohl im Smart-Home-Bereich, als auch bei den Unternehmen wächst das Sicherheitsbedürfnis und die Anbieter müssen darauf mit innovativen und benutzerfreundlichen Lösungen reagieren. Es wird spannend sein zu sehen, wie Angebot und Nachfrage sich einpendeln und welche Hersteller und Integratoren darauf reagieren können. Ich bin mir sicher, wir werden auch in fünf Jahren noch ganz vorne mit dabei sein. Gemeinsam mit unserer spanischen Muttergesellschaft Azkoyen legen wir den Fokus ganz klar auf Wachstum und Expansion.